Trennung

Heute schreibe ich aus Trauer und Verzweiflung in diesen Blog.

Meine Freundin und ich haben uns getrennt!

Vielleicht stellt sich dem Leser die Frage, was Trennung mit Tinnitus zu tun hat.

Meine Freundin hat mich in meiner Leidenszeit begleitet, war immer für mich da und die wichtigste Person in meinem Leben. Auch wenn ich versucht habe, das Thema möglichst von ihr fernzuhalten und ich immer gesagt habe, sie solle ihr Leben weiterführen, wenn es mir nicht gut geht, hat sie doch  unglaublich viel Rücksicht genommen und mir Trost und Hoffnung gegeben.

Mir geht es vermutlich inzwischen nach aussen hin etwas besser, ich beschwere mich nur noch selten über den Tinnitus. Es könnte von aussen betrachtet eben auch in etwa eine leichte  gelegentliche Migräne sein. Ob sie mich jetzt verlassen hat, weil es mir nun mit dem Tinnitus etwas besser geht?

Verwirrung

Verwirrung ist vielleicht das stärkste Gefühl, dass ich jetzt in der Akutphase habe. Eine ganz leichte Derealisation vielleicht. Viele Fragen stellen sich für mich. Wir haben zusammen gewohnt, hatten selten Streit, haben uns im Alltag prima verstanden, haben aufeinander gestanden. Sie selber sagte, das Leben mit mir ist an sich ganz schön. Wir haben geredet und gelacht. Über Probleme gesprochen. Was man so macht.

Und dann nannte sie mir in einem Gespräch den Wunsch auszuziehen. Ein Mietvertrag ist bereits für nächsten Monat zugesagt. Ich konnte es nicht glauben, es fühlte sich wie ein Verrat an. Während ich völlig überrumpelt war, schien  sie sich auch nicht ganz sicher mit ihrer Entscheidung

Wir haben dann viel über das Warum gesprochen und uns auch über viele Detailprobleme einigen können. Wo wir nicht weiterkamen, sollte eine Paartherapie helfen.
Sicher ist aber wohl, die besprochenen Probleme waren nicht die wahren Probleme: Nach ein paar Tagen des wiederhergestellten Friedens und der Absage der neuen  Wohnung sagte sie mir in einem Telefonat, sie ziehe jetzt doch aus. An ihrer Stimme habe ich gehört, dass es vorbei ist.

Erklärungsversuche

Wir haben dann nochmals gesprochen und sie hat versucht mir ihre Entscheidung zu erklären. Die letzten Tage des wiederhergestellten Friedens nannte sie als sehr schön und sie könne selber nicht verstehen, warum es manchmal für sie so schwer ist. Stichworte von ihr waren:

  • Eingesperrt fühlen in der Beziehung
  • Würde ihr nicht mehr zuhören
  • Vertrauensverlust

Ich erkläre es mir so, dass sie ganz langsam und vielleicht schon seit längerem das Vertrauen in die gemeinsame Perspektive verloren hat. Auch wenn es im Alltag meist ganz gut lief und nur Pseudoprobleme hochkamen, schlummerte bereits ein Zweifel in ihr. Dieser diffuse Zweifel wird so gut verborgen, auch vor sich selbst, dass er von aussen kaum sichtbar ist.

Rückwirkend könnte ich vielleicht sagen, es gab einerseits eine verstärkte Reizbarkeit bei Pseudoproblemen in unserer Beziehung und andererseits im späten Stadium auch eine Leichtigkeit als die Entscheidung wohl tief im Innersten schon gefasst war. Aber ich glaube nicht, dass ich es hätte merken können. Es schlummerte tief verborgen hinter Nebelkerzen und brach so plötzlich aus wie ein vom Nebel umgebener Vulkan.  Gemeinsame Freunde haben zumindest nichts gemerkt. Mein bester Freund meint, er könne es nicht glauben, das macht doch alles keinen Sinn.

Volltreffer

Mitten ins Herz! Ich gebe ihr keine Schuld an der Trennung und mache ihr keine Vorwürfe. Sie tut nur was ihr Gehirn aka Gefühl aka Unterbewusstsein ihr sagt was sie tun muss. Es ist eine Notwehr, ein Überlebensprozess der Natur. Obwohl selber früher schon mal erlebt, selber schon mal begangen und schon oft bei Freunden und Familie beobachtet, die Grausamkeit der Realität überrascht mich immer wieder: Wie ein plötzlicher Tod.

Verloren habe ich meine Vertrauensperson, meine Wohlfühlperson und meine kleine private Sicherheit und Geborgenheit. Alles zerstört innerhalb von einer Woche. Ich mache mir Sorgen hinsichtlich meiner künftigen Einsamkeit, Vertrauensfähigkeit und meiner Bereitschaft mich nochmal auf jemanden einzulassen. Ich liebe sie.

Tinnitus

Vermutlich wird sich der eine oder andere jetzt die Fragen stellen:

  • Reagiert der Tinnitus auf den akuten Stress?
  • Ist der Tinnitus nicht vielleicht insgeheim ein (Mit-)Grund für die Trennung?

Zur ersten Frage: Bisher nicht. Er ist weiterhin da, spielt aber gerade objektiv zumindest keine größere Rolle. Aber: Ich merke jetzt natürlich die Ängste und Zweifel an mir nagen und ich weiss, das große Loch wird erst noch kommen mit der Einsamkeit des alleine lebens. Ob ich die Stärke habe mich dagegen zu behaupten, werde ich berichten.

Zur zweiten Frage: Schwierig. Sie streitet es natürlich vehement ab und sagt, es spielt keine Rolle. Allerdings beziehe ich den von ihr genannten Vertrauensverlust in mich auf meine Integrität und Lebensfähigkeit. Vielleicht divergieren auch nur unsere Zukunftspläne, z.B. bezüglich Kinder. Dass der Tinnitus mich in all dieser Hinsicht geändert hat, kann ich leider nicht abstreiten. Ich bin kein Versorger mehr, aber war ich es jemals? Vielleicht hat der Fokus auf den Tinnitus auch die bestehenden fundamentalen Zweifel meiner Freundin an der Beziehung verdeckt und die Trennung damit hinausgezögert.
Auf jeden Fall laufe ich sicherlich schnell Gefahr den Tinnitus zu instrumentalisieren und ihn als Ursache und Grund für dies, das oder jenes Ereignis in meinem Leben anzunehmen, obwohl vielmehr ich selber die Verantwortung trage.

Wer dieses kritische und sicherlich für den einen oder anderen Leser ebenfalls relevante Thema, inwiefern Tinnitus uns und unser Leben  zu ändern scheint, mit mir diskutieren möchte, kann sich gerne über die Kommentare an mich wenden.

Mein Gedanken sind bei allen, denen es ähnlich geht.

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