Angst und Depression

Im Folgenden möchte ich über Angst und Depression schreiben. Wenn Tinnitus wie ein Feuer ist, sind Angst und Depression meines Erachtens das Öl, welches das Feuer nährt.

Mir selber ist mein Tinnitus oft wie ein lautes Kreischen vorgekommen, das mir Angst macht und mich depressiv werden lässt.

Nach langer Zeit aber habe ich begonnen, die Kausalität zumindest in Frage zu stellen:


Lässt vielleicht die Angst und die Depression den Tinnitus
(mit-)entstehen?

Depression

Für mich bedeutet Depression die Erkenntnis der Sinnlosigkeit allen Tuns zusammen mit dem unbestimmten Drang etwas dagegen tun zu müssen.
Man verbrennt innerlich mit dem Wunsch etwas zu tun und etwas zu ändern, aber man weiss: Egal was man tut, es ist sinnlos und führt zu nichts. Und deshalb lässt man es bleiben und ist hoffnungslos deprimiert.

Es ist dieser Widerspruch, der bis zur geistigen und körperlichen Lähmung führen kann.

Diese Form der Depression ist jedoch meines Erachtens ein Irrtum! 
Denn: Das Problem liegt nicht in der Sinnlosigkeit allen Tuns. Das Problem ist der rastlose Gedanke, etwas dagegen tun zu können und zu müssen.

Genau wie gegen den Tinnitus kann man gegen die fundamentale Sinnlosigkeit von allem NICHTS tun. Und deshalb muss man NICHTS tun um seinen Frieden zu finden.

Die Erkenntnis der Sinnlosigkeit allen Tuns kann zuerst einmal aber eine furchtbare Angst erzeugen.

Angst

Meines Erachtens ist Angst die treibende Kraft allen menschlichen Handelns.

Der Mensch wird mit dem Widerspruch geboren, dass er bewusst Leben möchte und doch unweigerlich sterben muss. Ein unlösbares Problem.

Egal was er tut, der Mensch muss am Ende doch sterben. Selbst seine Kinder werden sterben; die Enkelkinder, der Familienname, die Errungenschaften, die Geschichte, die Menschheit, der Planet, die Sonne, die Galaxie, das Universum – alles wird vergehen als wäre nichts gewesen.
ALLES wird zu NICHTS und NICHTS wird zu ALLES.

 Dieses Schicksal ist so tragisch, dass der bewusste Mensch es oft nur mit Leugnung oder Verdrängung aushalten kann. Beispiele dafür sind religiöse Fantasien vom ewigen Leben oder der Wahn mit gesundem Lebensstil niemals krank werden zu können.

Oftmals funktioniert die Leugnung oder Verdrängung ganz gut, zumindest für eine gewisse Lebenszeit, aber ich denke gerade als moderner intelligenter Mensch kommt irgendwann mal der Zweifel. Und mit dem Zweifel kommt die Angst.

Ängste sind komplex, oft im Innern verborgen und unbewusst. Oft sind sie kontrolliert, man ist an Angst so sehr gewöhnt, man nimmt sie nicht mehr als Angst wahr. Erkrankt man an Angst, vielleicht ausgelöst durch eine Trennung, den Tod eines Familienmitglieds oder durch eine banale Midlife Crisis, wird einem meiner Meinung nach nur die Spitze des Eisberges bewusst. Die wahre Angst -die Urangst- ist viel größer und liegt tief unter der Oberfläche verborgen.

Ich möchte mit alledem nur zweierlei aussagen:

  • Jeder Mensch hat Angst. Auch Du hast Angst!
  • Kaum ein Mensch ist sich in vollem Umfang  seiner Angst bewusst. Du siehst nur die Spitze des Eisbergs und kennst deine Ängste vermutlich nicht wirklich.

Die Angst hat einen riesigen Einfluss auf unser Handeln und unser Denken. Und sie kann krank machen. Sie kann uns hypochondrisch, hypertonisch, zerstreut, aggressiv, wahnsinnig und was auch immer machen. Und sie kann nach meiner Überzeugung uns auch an Tinnitus erkranken lassen.

Angst hält unsere Nerven in einem Erregungszustand. Diese Erregung der Nerven kann zu einer übertriebenen Verstärkung von Rückkopplungen in den Nervenbahnen führen. Der Mensch wird wahnhaft, bekommt Schmerzen oder eben Tinnitus.

Warum so oft Tinnitus? Weil das Hören eine sehr emotionale und filigrane Sache ist, und daher gegenüber  Ängsten und Übererregungen sehr anfällig ist.

Was also tun?

Ängste kann man nur durch sich durch lassen. Man muss sich ihnen stellen und darf sie nicht verdrängen oder bekämpfen. Dann lösen sich die Ängste mit der Zeit auf.

Gegen die Depression kann man NICHTS tun. Damit meine ich die Bewusstwerdung, dass eben NICHTS zu tun ist. Damit verschwindet der innere Druck, etwas gegen Dinge zu tun, die man nicht ändern kann und die Depression löst sich auf.

Insofern fällt mir Zen-Meditation als Lösung ein. Einfach nur in Stille Sitzen, Sitzen und nochmals Sitzen. Egal wie schwer es ist. 

Versuch es einfach mal.

Hier noch zwei Videos zu dem Thema:

Wie alle Videos von Julian C. Hill sehr empfehlenswert, über den Einfluss von Stress auf den Tinnitus (z.B. bedingt durch untergründige Ängste):

Ein sehr bewegendes Video über den „Sinn“ von Zen Meditation.

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