Der erste Gang zum HNO – Worauf Du achten solltest!

Auf einmal ist er da, der alarmierende Ton im Ohr oder Kopf. Oder er war vorher schon da und ist auf einmal viel, viel stärker. Panik macht sich breit. In diesem Fall ist der sofortige Gang zum Hausarzt sicherlich die beste Entscheidung.

Der Hausarzt wird nach einer Krankschreibung üblicherweise ziemlich schnell die Empfehlung äußern, sofort auch beim Hals-Nasen-Ohrenarzt (im Folgenden nur noch kurz als HNO bezeichnet) vorbeizuschauen. Und dieser Empfehlung sollte man auch folgen.

Wie geht es dann beim HNO weiter?

Leider ist es so, dass fast alle Tinnitus-Betroffenen unzufrieden nach der Konsultation beim HNO sind. Oft läuft es darauf hinaus, dass der HNO einen einfachen Hörtest macht, lächelt und sagt: „Da kann man eh nix machen, am besten einfach dran gewöhnen!“ Die emphatische Sorte von HNO sagt vielleicht noch zusätzlich: „Ich habe das auch manchmal, ist kein Problem!“  Leider sind beide Aussagen sehr problematisch.

„Da kann man eh nix machen, am besten einfach dran gewöhnen!“

Diese Realität ist eine Halbwahrheit, die der Betroffene in seiner Belastungssituation einfach nicht verkraften beziehungsweisen nicht einordnen kann. Faktisch richtig ist: medizinisch gibt es kein gängiges Protokoll zur Behandlung. Insofern weiß der HNO wirklich nicht, was er tun kann. Allerdings ist es nicht so, dass es für den Betroffenen keine Heilung oder Besserung geben kann! Das ist durchaus möglich und ich habe es mehrmals selbst erlebt oder miterlebt!

„Ich habe das auch manchmal, ist kein Problem!“  

Naja, der HNO weiß ja nicht, was in Dir vorgeht. Sein Hörtest zeigt es ihm auf jeden Fall nicht.

Vielleicht hat er sich aber auch die Mühe gemacht und seinem Patienten einen Fragebogen ausfüllen lassen, der die Belastungssituation durch den Tinnitus abfragt. Es gibt verschiedene standardisierte Fragebögen dafür, einer ist zum Beispiel der THI (Tinnitus Handicap Inventory), und sie sind ein gutes Mittel, um zu bewerten wie ernst die Lage wirklich ist. Am Ende kommt als Ergebnis eine Zahl raus, die angibt wie sehr der Patient unter seinem Tinnitus leidet.

Leider hat der HNO bei mir den Test jedenfalls nicht gemacht und auch sonst sich nicht nach der Stärke oder Beschaffenheit des Tinnitus erkundigt. Und falls der HNO bei euch auch die Lage schön redet, weil er selbst vielleicht nur einen ganz leichten Tinnitus hat, muss es bei seinem Patienten ja nicht auch automatisch auch „kein Problem“ sein.

Ginko

Vielleicht verschreibt der HNO in seiner Hilflosigkeit noch ein Medikament. Bei mir hat sich das auf dem Rezept verordnete Medikament als überteuertes Ginkopräparat herausgestellt, welches ich zu allem Überfluss noch hätte selber zahlen sollen. Hier kann man allerdings verstehen, dass die Krankenkasse die Kostenübernahme ablehnt. Ginko ist leider wirkungslos: „There was no evidence that Ginkgo biloba is effective for tinnitus when this is the primary complaint.“

Worauf muss man wirklich achten?

Was der HNO üblicherweise immer macht, ist ein Hörtest. Dabei untersucht er, ob ein Hörsturz, also das plötzliche Auftreten einer signifikanten Hörstörung, vorliegt. Sollte der HNO einen Hörsturz feststellen, verordnet er in der Regel sofort eine Cortisonbehandlung und eventuell noch eine Infusionsbehandlung. Allerdings nur dann, das alleinige Symptom Tinnitus reicht dafür nicht aus. Fast immer liegt nach dem Hörtest jedoch kein Hörsturz vor und der HNO unternimmt daher nichts.

Ich habe hierzu eine Kritik: Der Hörtest ist ein grobes Schätzeisen. Es werden üblicherweise nur Frequenzen von 0Hz bis 8kHz untersucht. Siehe hierzu auch diesen Link. Die Abstände, in denen gemessen wird, sind recht grob. So erfolgt zwischen 4kHz und 8kHz in der Regel keine Messung. Auch kann das gesunde Gehör viel höher als 8kHz hören, mitunter bis 20kHz (bei Kindern). Dieser Bereich wird vom Hörtest überhaupt nicht überprüft und gerade hier liegen oft die Betroffenen unangenehmsten hohen Tinnitus-Töne. Kommt der Tinnitus also von einem schmalbandigen „kleinen“ Schäden im Gehör, wird dieser im Hörtest fast mit Sicherheit übersehen.

Ich kann jedem Betroffenen daher nur raten, den HNO unabhängig von dem Ergebnis des Hörtests zu drängen eine Cortisonbehandlung vorzunehmen. Diese wirkt gegen möglichen Entzündungen im Innenohr oder am Hörnerv und auch wenn die Erfolgsaussichten gering sind, ist es die beste Chance, die man hat um den Tinnitus gleich wieder loszuwerden. Die Cortisonbehandlung muss allerdings sofort in den ersten Tagen erfolgen, egal ob per Spitze in Mittelohr (intratympanal) oder per orale Einnahme. Die Nebenwirkungen sind meist weit geringer als die von einem störenden Tinnitus und zudem nur kurz. Falls der HNO nicht mitmacht und bedenken hat weil er den Ernst der Lage unterschätzt, würde ich mir einen anderen HNO suchen.

Die Infusionstherapie ist dagegen meinen Recherchen nach nicht zu empfehlen, zumal es zu starken Nebenwirkungen wie anhaltenden Juckreiz kommen kann.

Mich hat der HNO mit Ginko wieder weggeschickt und keine Cortisonbehandlung vorgenommen. Ich bereue es bis heute. Auch wenn es mir vielleicht nicht geholfen hätte, ist es furchtbar zu wissen eine Therapieoption versäumt zu haben.

Als ich zwei Monate später wegen dem weiterhin störenden Tinnitus in der HNO Uni Klinik war, war es jedenfalls dafür zu spät.

6 Gedanken zu „Der erste Gang zum HNO – Worauf Du achten solltest!“

  1. Danke für die Tipps, was man bei einem Besuch beim HNO beachten sollte. Meine Schwester hatte auch einmal Tinitus und der HNO Arzt hat nicht gemacht. Gut zu wissen, dass man energisch sein sollte, und generellen Aussagen gegenüber vorsichtig sein sollte.

  2. Mein Bruder hat Ohrentzündung, der Hörtest brachte aber nichts.
    Den Tipp über die Cortisonbehandlung werde ich an ihn weiterleiten. Solche Dinge darf man nicht sich selbst überlassen.

  3. „So erfolgt zwischen 4kHz und 8kHz in der Regel keine Messung.“
    Wie kommst du darauf?
    In den Audiogrammen wird dieser Bereich auch gemessen.
    Gruss von Maria

    1. Also in den verschiedenen Hörtests, die mit mir gemacht wurden, wurde dazwischen nicht gemessen. Aber es kann natürlich sein, dass manche Protokolle auch den Zwischenbereich abdecken.

  4. Ich bin nach einem Hörsturz das erste Mal zu einem Hals Nasen Ohrenarzt gegangen. Einen Hörtest zu machen, war wirklich eine neue Erfahrung. Er hat mir ebenfalls eine Cortison Behandlung verordnet, glücklicherweise ist es dann von selbst wieder weggegangen.

  5. Manchmal habe ich nach einem lauten Konzert einen kleinen Tinitus der dann aber auch Bald wieder weg ist. Von daher ist die Notwendigkeit nicht zwingend gegeben. Aber wenn man das täglich hat und es einem wirklich stört dann sollte man wirklich etwas dagegen tun. Wenn man betroffende so hört muss das wirklich hard sein.

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